Meine letzte Tour habe ich auch wieder mit dem Shuttle angefangen, Salzhausen war Start und Ziel. Schon mit dem ersten Bus des Ringes drei ging es los, bis ich danach mit dem des Rings zwei in Behringen ausstieg. Von dort fuhr ich nach Bispingen, um auf dem Luheradweg bis nach Salzhausen zu radeln.
„Und du, der Kindheit Fluß, geliebte Luh’!
Laß mich die Hand mit deinem Wasser kühlen!
Wie sonst auf klarem Sande fließest du, -
O könnt’ ich wieder mich als Knabe fühlen!“
(Johann Peter Eckermann, * 1792 in Winsen/Luhe, † 1854 in Weimar)
In Behringen wurde die Fahrt erst einmal durch die an diesem Tage stattfindende Friesen-Körung unterbrochen. Ich bin kein absoluter Kenner dieser stattlichen Pferde, aber es interessierte mich doch. Gerade wurde die Nachkommenskörung der Fohlen vorgenommen. Dazu waren sie zuvor von ihren Züchtern “körklar” gemacht worden, denn sie sollten heute das Beste geben, was in ihnen steckt, um eine Prämie von eins bis drei zu bekommen.

Friesenfohlen vor der Jury
So versuchten sie ruhig vor der Jury zu stehen, was nicht immer gelang. Ich vernahm aus der längeren Wertung der Jury:”Könnte mehr Schub aus der Hinterhand entwickeln, Prämie drei.” Damit konnte der Züchter wohl zufrieden sein, ich war es auch, hatte ich doch einen kleinen Einblick in eine Friesen-Körung gewinnen können. So fuhr ich weiter nach Bispingen.
Von der Heide bis zur Elbe
Ich beginne meine Tour in der Ortsmitte Bispingen, die Luhequellen sind von hier noch ca. 3 km entfernt. Die Flußlänge beträgt bis zur Mündung 58,2 km. Die Luhe entspringt an einem Endmoränenhügel der Lüneburger Heide und durchfließt bis Luhmühlen die Geest.Im danach weiten Luhetal erreicht der Fluß bei Vierhöfen die Elbmarsch, fließt in die Ilmenau und diese in die Elbe.
Bispingen und die ehemaligen Kieselgurabbaugebiete
Ein Hinweisschild weist auf den Besuchermagnet für Kultur- und Naturfreunde, dem Landschaftspark Iserhatsche mit der Jagdvilla und dem Montagnetto hin. Mich erwarten entlang der Luhe die Heidedörfer Hützel, Steinbeck, Schwindebeck, Soderstorf und Oldendorf, die im und um das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide liegen, wo die jetzt blühende Heide anzutreffen ist. Am Ortsausgang Hützel biege ich von der Raubkammerstraße in einen Waldweg und erkenne schon bald links durch die Föhren und Tannen einen idyllischen See, ein Überbleibsel aus dem Kieselgurabbau.
Die Kieselgur wurde im Tagebau gewonnen. In den Anfängen wurde die Kieselgur mit der Hand abgestochen und auf Schubkarren aus der Grube transportiert. Später wurde sie in Loren gefüllt, die mit Pferden oder Seilwinden aus der Grube gezogen wurden. Bis 1975 (Steinbeck) wurde ebenfalls in Schwindebeck die Kieselgur, das weiße Gold der Lüneburger Heide, abgebaut. Auf der Weiterfahrt zur Wassermühle Soderstorf komme ich vor dem Gut Thansen an einer üppig blühenden Heidefläche vorbei. Das Gut Thansen, Seminar- und Eventzentrum, mit Café-Kneipe-Restaurant, ist eine Rast wert.

Wassermühlen an der Luhe
Auf der Mühleninsel, die von Mühlenumflut und Luhe umflossen werden, stehen hohe Laubbäume. Ich erkenne das Backhaus aus dem frühen 19. Jh., dass sich zur Straße hin duckt. Weiter hinten, am Rand des kleinen Wäldchens, steht ein Fachwerkgebäude am Wasser: die Soderstorfer Mühle. Ich habe sie schon einmal besichtigen können,während meiner Exkursion zum Natur- und Landschaftsführer. “In der Radstube dreht sich das sechs Meter mächtige Wasserrad, von dem eine Transmissionswelle zur Kreissäge auf der anderen Giebelseite führt. Ein Steg führt von der Mühle hinüber zum Hof mit seinem Haupthaus von 1848, der heute auch einige Ferienwohnungen anzubieten hat. 1427 finden wir diese Mühle erstmals bezeugt, die seit 1650 bis heute im Besitz der Familie Vogt ist. 1821 ist das jetzige Mühlengebäude entstanden, das als Mahl-, Öl-, Grütz-, Loh- und Sägemühle gedient hat. In den 1960er Jahren war die Mühle dann nur noch für den Eigenbedarf tätig und stand dann lange Zeit still. Renovierungsarbeiten setzten das Mühlenrad jedoch wieder instand, so daß die Mühle heute gelegentlich wieder zu Mahl- und Backtagen und zu Mühlenfesten in Gang gesetzt wird.”(www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de) Weitere Wassermühlen an der Luhe sind die in Wohlenbüttel, Oldendorf/Luhe, Luhmühlen und Winsen/L., die letzten Zeitzeugen von unzähligen aus der Vergangenheit.
Vorbei am Reitermekka Luhmühlen
Nachdem ich Oldendorf/Luhe mit dem Archäologischem Museum, untergebracht in einer grundsanierten denkmalgeschützten niedersächsischen Rauchkate, der Wassermühle, die in Betrieb ist, und vorbei an der Oldendorfer Totenstadt passiert habe, fahre ich genWetzen durch eine Landschaft mit herrlichem Weitblick. Am Hof Röndahl muss man einen fast unpassierbaren schmalen Pfad um das Gut herum benutzen, leider ist die Durchfahrt gesperrt. Auf holpriger Asphaltstraße nähere ich mich Luhmühlen, dem Austragungsort internationaler und nationaler Reitsportturniere (Military, Welt- und Europameisterschaften).

Beliebte Kanufahrt ab Luhmühlen
Aber auch ab der Luhebrücke steigen gerne die Freizeitwassersportler mit ihren Kanus ein, um die herrliche mäandrierende Luhe zu befahren.
Schon zeigt mir der Kirchturm der Salzhäuser St. Johanniskirche, dass ich mein heutiges Endziel auf dem Luheradweg erreicht habe.
Daten und Fakten zur Tour
- Reine Fahrtzeit: 2 Stunden 45 Minuten
- Gesamtstrecke: 42,6 km
- Fahrzeit: 4,5 Stunden (mit Pausen und Fotostopps)
Hinweisschilder mit dem „L“
Die Ausschilderung könnte um ein Wesentliches besser sein. So fehlen immer wieder auf den grünen Radfahrertafeln die blauen Aufkleber “L” oder an neuralgischen Punkten ist kein Hinweis vorhanden bzw. sie müssten besser ausgerichtet werden. Überraschend ist dann plötzlich, dass ab Wetzen die Beschilderung als “gut” zu bezeichnen ist, ab hier “überschlägt” man sich mit der Ausschilderung. Leider gibt es auch kein wieder aufgelegtes Faltblatt mit einem genauen Streckenverlauf. Der “Ersatz-Flyer” der Lüneburger-Heideland-Touristik ist dennoch lobenswert und im Internet abrufbar: www.lueneburger-heideland.de.
